Marktschellenberg – Retter haben den schwer verletzte Höhlenforscher in den Bertechsgadener Alpen erreicht, können ihn aber nicht bergen. Der 52-Jährige ist nach Auskunft von Polizei und Bergwacht nicht transportfähig.
Er ist auf rund 1000 Meter tief in der Riesending-Schachthöhle gefangen, Deutschlands tiefster Höhle. Am Montagabend stiegen Experten aus der Schweiz in die Höhle ein, die auf die Rettung aus Schächten spezialisiert sind.
Der Höhlenforscher war am frühen Sonntag mit zwei Begleitern rund 1000 Meter unter der Erdoberfläche in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands unterwegs, als es gegen 1.30 Uhr plötzlich zu einem Steinschlag kam. Dabei wurde er laut Bergwacht an Kopf und Oberkörper schwer verletzt, er konnte die Höhle nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Einer der Begleiter kletterte daraufhin zwölf Stunden nach oben und schlug Alarm, der andere blieb zunächst bei dem Verletzten. Die Männer waren am Samstag eingestiegen.
Die Bergung aus dem dunklen und teilweise extrem engen Schacht gestaltet sich äußerst schwierig: Noch am Montagabend war vollkommen unabsehbar, wann der gefangene Schwerverletzte wieder Tageslicht sehen kann. Als Hauptproblem zeichnet sich ab, dass der Verletzte nur liegend transportiert werden kann. Dies scheint in der Enge des Schachts aber kaum möglich. “Die Rettung kann Tage bis Woche dauern”, sagte laut Bild-Zeitung Nils Bräunig von der Höhlenrettung Deutschland am Abend auf einer Pressekonferenz in Berchtesgaden.
Temperaturen von 1,5 bis fünf Grad
Der Rettungstrupp, der die beiden Männer am Montag erreichte, überbrachte neben medizinischer Ausrüstung auch Verpflegung wie Wasser und Essen. Es handelte sich um ein vierköpfiges Team, das den Lagerort des 52-Jährigen auf etwa 950 Metern Tiefe erreichte. Weitere Helfer richteten auf verschiedenen Ebenen Lager- und Biwakstationen ein. In der Höhle herrschten Temperaturen von 1,5 bis 5 Grad, sagte Bärbel Vogel, Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher.
“Vergessen Sie alles, was Sie bei Rettungseinsätzen je erlebt haben”, sagte Höhlenretter Norbert Rosenberger. “Wir haben in Deutschland nur eine Handvoll Leute, die in diese Tiefe steigen können”, betonte Bräunig.
Der Verunglückte ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt bei Stuttgart. “Für diese Höhle gibt es keinen erfahreneren Forscher als ihn”, sagte der Einsatzleiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg, Matthias Leyk. Der 52-Jährige ist demnach ein Mitentdecker der Riesending-Schachthöhle.
Die Höhle ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Das gigantische Gangsystem umfasst eine Länge von 19,2 Kilometern und ist 1148 Meter tief. Der Eingangsschacht war im Rahmen einer Plateau-Vermessung bereits im Jahr 1995 entdeckt worden, blieb jedoch im Schatten anderer Projekte bis 2002 nahezu unbeachtet.
Schwer verletzter Höhlenforscher: Rettung könnte Wochen dauern
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