Mit zahlreichen Gedenkfeiern erinnern Staats- und Regierungschefs aus aller Welt an die Landung der Alliierten in der Normandie vor 70 Jahren.
Mit zahlreichen Gedenkfeiern erinnern Staats- und Regierungschefs aus aller Welt an die Landung der Alliierten in der Normandie vor 70 Jahren.
Wie die Schlacht von Stalingrad leitete der “D-Day” die Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Deutschland ein.
Allerdings ging es bei den Gedenkfeiern nur vordergründig um den Zweiten Weltkrieg.
Im Zentrum stand die Frage, wie der russische Präsident Wladimir Putin von seinen westlichen Amtskollegen empfangen werden würde.
Am Vortag hatte sich der britische Premierminister David Cameron zwar mit Putin getroffen, ihm jedoch demonstrativ nicht die Hand gegeben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel machte es bei einem Treffen im Strandbad Deauville anders: Sie gab Putin die Hand.
Allerdings wurde trotz der förmlichen Geste bei der Begrüßung deutlich, dass die Kanzlerin Distanz zum russischen Präsidenten wahrte: Sie sorgte dafür, dass Putin seinen Arm weiter ausstrecken musste als sie es tat.
Merkel begegnete Putin mit ungewohnt ernst wirkendem Gesichtsausdruck, zeitweise mit demonstrativ hochgezogenen Augenbrauen und einem strengen, ermahnend wirkenden Blick.
Im Gegenzug ließ Putin es sich nicht nehmen, in einer für ihn typischen Sitzhaltung neben Merkel zu posieren.
Das anschließende Gespräch der beiden fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Später teilte die Bundesregierung mit, Merkel und Putin hätten “ein Gespräch über die Lage in der Ukraine geführt”.
Weiter heißt es in der Mitteilung: “Die Bundeskanzlerin äußerte ihre Überzeugung, dass nach der international anerkannten Präsidentschaftswahl jetzt die Zeit genutzt werden müsse, um eine Stabilisierung der Lage insbesondere in der Ostukraine zu erreichen. Russland müsse seiner großen Verantwortung dabei gerecht werden.”
In den vergangenen Wochen hatte Merkel immer wieder mit Putin telefoniert. Persönlich getroffen hatte sie ihn aber zuletzt am 6. September 2013 in St. Petersburg.
Während Putin und Merkel sich trafen, gedachten Frankreichs Präsident François Hollande und US-Präsident Barack Obama auf einem US-Soldatenfriedhof der mehr als 4400 alliierten Soldaten, die am D-Day ums Leben kamen.
Hollande mahnte auf dem Friedhof von Colleville-sur-Mer, die Landung bleibe eine Verpflichtung, sich auch heute für die Freiheit einzusetzen. Der D-Day habe “die Welt verändert”.
Obama verneigte sich vor mehreren hundert Veteranen, die damals dabei waren: “Gentlemen, Ihre Anwesenheit hier erfüllt uns wahrlich mit Demut.”
Am 6. Juni 1944 seien Demokratie und Freiheit verteidigt worden, so Obama. “Dieser Anspruch steht auf diesem Strand in Blut geschrieben.” Viele Zuschauer erhoben sich daraufhin zum Applaus.
Zum Mittagessen auf Einladung des französischen Präsidenten waren auch Merkel und Putin eingeladen.
Die Anwesenheit eines hochrangigen deutschen Vertreters bei den D-Day-Feierlichkeiten war lange Zeit tabu. Als erster Bundeskanzler war 2004 der damalige SPD-Regierungschef Gerhard Schröder zu den Feiern in der Normandie.
Bei dem obligatorischen Familienfoto auf Schloss Bénouville gingen sich Obama und Putin aus dem Weg. Bei der Platzierung waren die beiden Staatschefs jeweils von Adligen eingerahmt.
Neben Obama nahmen für das Foto in der ersten Reihe die britische Königin Elizabeth II. und König Harald V. von Norwegen Aufstellung.
Putin wurde von Königin Margrethe II. von Dänemark und Großherzog Henri von Luxemburg eingerahmt.
Merkel stand beim Foto schräg hinter Putin. Beim Auseinandergehen war Obama ins Gespräch mit Queen Elizabeth vertieft, während Putin und Hollande miteinander sprachen.
Beim Mittagessen im Schloss wurde eine ähnliche Sitzordnung beibehalten.
Höhepunkt der Feierlichkeiten war eine Gedenkzeremonie am Strand von Ouistreham. Dort plauderten Merkel und Putin …
… sowie Merkel und der neu gewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko miteinander.
Auch zu dritt sprachen Merkel, Putin und Poroschenko – diese Unterhaltung schien allerdings eher schleppend zu verlaufen.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit nutzten auch Putin und Obama die Gelegenheit für ein kurzes “informelles Gespräch”, wie das Weiße Haus mitteilte.
Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte, das 10 bis 15 Minuten lange Gespräch zwischen Obama und Putin sei kein formelles bilaterales Treffen gewesen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte mit, beide Politiker hätten sich für ein schnelles Ende der Gewalt und der Militäraktionen in der Ostukraine ausgesprochen. “Obwohl das kein eigens angesetztes Treffen war, hatten die Staatsoberhäupter die Möglichkeit, ihre Meinungen über die Lage in der Ukraine auszutauschen – und auch über die Krise in der Ostukraine”, sagte Peskow der Agentur Interfax.
Putin kam zudem zu einem etwa 15-minütigen Gespräch mit Poroschenko zusammen. An diesem Treffen nahmen nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen auch Merkel und Hollande teil.
“Im Zuge eines kurzen Gesprächs haben sich Putin und Poroschenko für ein Ende des Blutvergießens im Südosten der Ukraine und auch für ein Ende der Kampfhandlungen auf beiden Seiten ausgesprochen”, sagte Peskow.
Die beiden Präsidenten hätten in ihrem Gespräch betont, dass es keine Alternative zur Lösung der Krise mit “friedlichen politischen Mitteln” gebe, so der Kremlsprecher.
Alle schauen auf Putin: Gespräche am blutgetränkten Strand der Normandie
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